Abschied 17.Juni 2018

An Stelle von gut ausgewählten Worten des Résumé, des Rückblicks oder einer Zusammenfassung möchte ich die Zeit wirken lassen, um herauszufiltern was wirksam wurde und bleibt. Stattdessen Bilder des Abschieds:

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unser letztes Bild vor dem Südportal der Kathedrale von Chartres

Wir sind sehr dankbar für eine gelungene und bewegende Wallfahrt!

Jetzt ist erst einmal Pause !

Nach dem 24. Juni hört und seht Ihr noch einmal von uns !

 

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In Chartres 16.Juni

Vorweg: Du mußt selber dorthin reisen, um diese Schönheit und Vielfalt wirklich zu sehen, unsere Kommentare und Bilder sind nur ein Eindruck.

Westportal spitze

Notre Dame de Chartres ist eine bedeutende Wallfahrtskirche, zu der sich
Menschen seit Jahrhunderten auf den Weg machen. Durch die Tür des beeindruckenden Westportals eröffnete sich eine Welt, die uns in
die große Tradition unseres Glaubens führte.

Die Fassaden und die überreiche Anzahl der Figuren ließen uns immer mehr entdecken. Ich habe aus ihrer schier unendlichen Vielfalt einige ausgewählt, die uns ansprachen:

Erschaffung Adam-nGott erschafft Adam : „Sieh auf die Hände mit welcher Zärtlichkeit er den Menschen ins Leben verhilft“ (vgl. Blog vom 10.06.2018)

 

 

 

 

 

 

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Hiob hält Gott die Treue

Hiob, hin und her gerissen in seinem Leid, wird von Gott gesegnet in seiner Treue.

 

 

 

 

 

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die hörende Maria

Maria ist ganz Ohr.

Sie ist eingebettet in den „Thron der Weisheit“, der von den symbolischen Darstellungen der Wissenschaften umrundet wird.

 

 

 

 

Chartres war im 11. Jahrhundert ein Ort, an dem sich das Wissen der ganzen damaligen Welt „versammelte“ und man sich gegenseitig bereicherte (am Westportal der Kirche sind alle damals bekannten Wissenschaften symbolisch dargestellt.) Es ist faszinierend, wie der Bau der gotischen Kathedrale das gesammelte Wissen der Menschen in seiner Konstruktion, in seinen Bildern und Figuren widerspiegelt. Notre Dame de Chartres macht deutlich, dass in der respektvollen und gemeinsamen Arbeit solch eine Schönheit möglich ist.

Am Abend verwandelten Musik und Licht die Kathedrale in einen sphärischen und wundersamen Ort

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Südportal
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Westportal

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Von Auffargis nach Chartres 15.Juni

Eindrücke am Morgen

Man braucht einen Frosch ,DSC00407DSC00414

 

drei taffte Frauen

und schon hat man sieben Prinzen!

Vorausgesetzt man übernachtet in einem Schloss:

DSC00412Mit einer ordentlichen Portion Wehmut ihm Herzen machten wir uns an die letzte Radeletappe nach Chartres.  Es sind ganz besondere Erfahrungen, die uns auf dem Weg immer wieder geschenkt wurde. Es hört sich banal an, ist es aber nicht:

  • das Radfahren,  es beflügelt dich und über die Tage kannst du eine große Leichtigkeit in dir erleben
  • zehn Menschen, die jeweils ihre ganz eigene Lebensgeschichte haben, wachsen zu einer Gemeinschaft zusammen, in der jede und jeder wertgeschätzt wird
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  • die Beschäftigung mit unseren Wurzeln als Deutsche und als Christen und mit unserer Sehsucht nach Frieden ermöglichte uns zu begreifen, wie sehr wir als Europäer über die Jahrhunderte hinaus verbunden sind

                     nach 420 km kommen wir an unserem Ziel in Chartres an,                                 müde, stolz, und beeindruckt:

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Am Nachmittag besuchten wir die Kathedrale und erfuhren in der Begegnung mit ihrem Labyrinth wie sich die Erfahrungen der Reise verdichteten.Kerze im Labyrinth

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Von Paris nach Auffargis 14.Juni

Gedanken in den Tag:

 

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Der weinende Engel von Amiens

In der Kathedrale von Amiens steht hinter dem Altar eine große Kreuzigungsszene. Auf der Rückseite davon in einer Nische sitzt ein kleiner Puttenengel, der sich mit einer Hand auf einem Totenschädel abstützt. Die Gesichtszüge zeigen ihn weinend. Neben ihm sitzt Maria mit dem Kind, auf der anderen Seite kniet Josef.
Das Bild des weinden Engels war 1916, während der Schlacht an der Somme´das  meistverschickte Bild auf den Feldpostkarten; oft ohne weiteren Text. Die Soldaten hatten oft keine Worte für das erlebte und gesehene Grauen der Schlacht – der weinende Engel – war ihr Ausdruck dafür.  Künstler wie Barlach, Otto Dix oder auch Käthe Kollwitz, die uns in Köln in St. Alban eine eindrucksvolle Skulpturen des Leids  geschaffen hat, fanden Bilder, die diese Erfahrungen widerspiegelten.
Hannes Wader hat in einem bekannten Lied seine Ausdrucksform gefunden.
Es ist an der Zeit

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nach-gedacht:

  • Gibt es einen größeren Kontrast als diese quirlige Stadt Paris zu unseren Thema des Ersten Weltkriegs?
  • Der Arc de Triomphe, den wir mit einen großen Freude und Lust am Radeln umrundeten, ist u.a. auch eine Grabstätte für Gebeine vieler unbekannter Soladten von den Schlachtfeldern.
  • Persönlich trifft mich dieses Lied von Hannes Wader, …….. es erzählt von der Verlogenheit der Mächtigen und dem unvorstellbaren Schmerz der Soldaten und ihren Familien…….. wären wir damas geboren und unsere Väter, Männer, Brüder oder Söhne wären in den Krieg gezogen…….. .
  • ….und damals geschehen ist, geschieht immer wieder. Aber wir Menschen suchen Wege des Friedens und der Versöhnung. Ich denke nur an die Dame, die uns am Straßenrand zugerufen hat „on besoin de la paix et on besoin d ´amour“, der LKW- Fahrer, der für uns anhielt oder Sr.Michelle, die sich für unser Projekt begeistern konnte.
  • Wir lassen uns bewegen und dann bewegt sich auch etwas.

Und der Weg nach Chartres geht weiter:

DSC00363 ….., wenn auch erst nach ein paar HürdenDSC00366

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bis zum Arc de Triomphe, den wir in einer gemeinsamen Aktion umrundeten.

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Nach Paris empfing uns eine ganz andere Landschaft, die uns auch mal wieder unsere körperlichen Grenzen spüren ließ (natürlich  nicht bei jedem).

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Von Jouarre nach Paris 13.Juni

Gedanken in den Tag: 

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Eindrücke aus dem Tag:

„Bon courage“ wurde uns noch gewünscht, und dann ging es weiter Richtung Paris:

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Das Wetter zeigte sich von einer besseren Zeit und das Radeln machte wieder Laune:

Bei einem guten französichen Kaffee trifft man die nettesten Leute:

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„Wenn Du meinst, du kennst den Weg…..      erwartet Dich vieles Unerwartete:

 

Und Paris war die Nummer: ein Gewusel, eine Lebendigkeit, ein Tempo und ein buntes IMG_0902

Gemisch an Menschen , dass wir mit großer Freude und Lautstärke durch die Stadt radelten . Als Friedenswallfahrer erfuhren wir manche Resonanz ,und die lauten Rufe unseres „Antreibers“ Hans-Steffen : „Allez, allez“ sorgten an jeder grünen Ampel für die entsprechende Gruppenstimmung und  Aufmerksamkeit.

Paris schläft nicht !    Und wir auch kaum.              Unser Chef-Photograph Horst  war völlig in DSC_4237seinem Element und bannte die Nacht auf seine Bilder.

Von Epernay nach Jouarre 12. Juni

Schon in der Nacht setzte ein Regen ein, der einigen Ortschaften im Umkreis heftigst zusetzte und auch die Straßen in der Innenstadt von Reims unpassierbar machte. Wie gut, dass wir gestern dort waren, und heute trotz der widrigen Umstände bis Jouarre radeln konnten.

Gedanken zum Tag:

„Die ist ein Wort des Herrn: Ich will ihnen einen Bund machen. Ich will Bogen, Schwert und Krieg vom Lande zerbrechen und will sie sicher wohnen lassen.“

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Ernst Barlach 1916

Wir werden auf einen Berg geführt, von dem der Blick über eine Hügelkette geht. Ein gedrungener Mann ist von unten her an Jesus herangetreten, fest in seinen Mantel gehüllt und verweist auf den riesigen Friedhof der Welt. Noch immer steht Golgata das Kreuz Jesu zwischen den Kreuzen der hingerichteten Männer. Jesus sieht entsetzt in die Todeslandschaft.

Das Kreuz Jesu verbindet Himmel und Erde, Mensch und Mensch.

Seine Botschaft: Trotz allem Leid, Elend, Hass, Vernichtung und Krieg, trotz aller Kreuze dieser Welt ist Versöhnung, ist Friede möglich                                                                                         Dorothea Grimm

 

nach-gedacht:

Warum ? Warum müssen Menschen solches Leid ertragen?                                             Genau wegen dieses „Warum“ hat Jesus sein Kreuz daneben gestellt.

Der gedrungene Mann hat seine linke Hand  (die Herzenshand) verhüllt oder ist sie zerstört?

Jesus lässt sich im Innersten berühren von unserem Leid

Ob wir jemals eine Antwort finden, warum die Mächtigen es vermögen Menschen, ja Völkern den Krieg aufzuzwingen? Warum Menschen Menchen solches antun.

 

Der Weg war die HerausforderungDSC00232

Unterwegs wurde unsere Aufmerksamkeit ganz vom Weg und dem Wetter in Anspruch genommen, denn es regnete und regnete, es fisselte, es schüttete, es regnete, es schüttete und regnete wieder. Schuhe wurden zu Minischwimmbädern und Unterhosen zu Waschlappen.

Manchmal schien es nur noch bergauf zu gehen, manche Asphaltwege entwickelten sich zu holprigen Schotterpisten mit Bächen, umgestürzten Bäumen, oder es hieß Löcher in der Straße  zu umgehen. Stefan, der Streckenführer für den Tag meint nur trocken: „ Du meinst, Du kennst den Weg, aber du kennst ihn nicht wirklich!“

Unser „Serviceteam“ erwartete uns an einem perfekten Unterstand , um uns mit allem was Frankreich zu bieten hatte, zu stärken.    (eine herrliche Videoaufnahme versuche ich noch zu verlinken….. unter dem Stichwort .“Wenn Männer zu Kindern werden“. )

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Doch trotz des Verlustes unserer beiden Radler-Frauen haben wir uns auf der zweiten Teilstrecke gegenseitig motiviert, haben uns durchgebissen, gesungen, geflucht und es letztlich gemeinsam geschafft anzukommen. Und wieder stand unser „Serviceteam“ bereit, dieses Mal mit alten Zeitungen gegen die Minischwimmbäder und heißem Kaffee.

Der Weg heute war unsere Herausforderung! Doch auch unser Thema Frieden begleitete uns weiter:
Wir radelten über die Jean Jaures Straße, die daran erinnert, dass J. Jaures im Ersten Weltkrieg heftig dafür eintrat, auf diplomatischen Wegen die Konflikte zu lösen. Doch ohne Erfolg, er wurde in Paris in einem Cafe erschossen. In Jouarre selbst liegt
Abbe Stock begraben, ein Priester, der sich unermüdlich für französische und deutsche Soldaten im zweiten Weltkrieg eingesetzt hat und zwischen den Fronten vermittelte, auch über den Krieg hinaus.

In der Benediktinerabtei Abbaye Notre Dame de Jouarre  (im 6. Jhdt. gegründet) empfing uns mit Sr. Anne eine ganz andere Welt, die vom Gebet und von großer Ruhe geprägt ist.

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In der Kapelle der Ordensgemeinschaft wartete wieder ein Kreuz auf uns. Dieses Mal gestaltet aus Licht und vielen Kreuzen.

Wie in L´Epeny konnten wir auch hier das „ubi caritas“ aus Taize in diesem
wunderbaren Kirchenraum zum Klingen bringen. Im Gespräch mit Soeur Anne formulierte sie die benediktinische Lebensweisheit mit den Worten: „Höre, setze um,
und es wird dir gelingen“.

Das Gebet der Schwestern von Jouarre und ihre großherzige Gastfreundschaft wird uns auf unserer peléringe de la paix weiter begleiten.

In der Champagne und in Reims 11.Juni

Der Tag begann mit einem könglichen Getränk. Wir hatte die Gelegenheit ein Champangerkellerei zu besichtigen.     Es war fazinierend zu hören, zu riechen ,zu sehen und zu schmecken wie Champanger entsteht:  ein Zusammenspiel der Rebensorte, des Wetters, des Bodens, der Erfahrungschatz der Familie und der Kreativitätä des Kellermeisters.

Anschließend ging es per Zug nach Reims, um uns die Kathedrale anzusehen.

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Die Kathedrale Notre Dame de Reims

1914 wurde die Kathedrale nach der Bombardierung schwer getroffen, das Dach brannte komplett aus und die Westfassade erlitt schwere Schäden am Figurenwerk. Man überlegte nun die Kathedrale als Grabstätte zu nutzen. So schrieb damals Edmund Rostant:

„Sie haben sie nur noch unsterblicher gemacht, das Werk geht nicht zugrunde… der Tempel gewinnt, geborsten an Würde und plötzlich sehen die Augen lieber den Himmel über dem Spitzenwerk aus Stein.“

Man entschied sich letztlich dagegen, die Kathedrale als Ruine zu belassen und restaurierte sie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

 

Heute können wir uns von diesem Kunstwerk wieder zum Staunen bringen lassen.

DSC_4195Ganz besonders hat mich beeindruckt, dass an vielen Stellen der Kirche kostbare Zeichen der Versöhnung zu erkennen sind:Imi Knobel Reims

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Madame Müller, unsere Gästeführerin durch die Kathedrale, wies uns auf ein sehr spezielles Detail hin:“ In der riesigen Rosette von der Erschaffung der Welt ist auch der Brudermord von Kain und Abel dargestellt, doch vom Südkreuz aus betrachtet, überdeckt die Figur des Auferstanden den Blick darauf.“

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