Friedenswallfahrt im Nachklang

Wir sind wieder zurück!

Wir haben unsere wichtigsten Eindrücke und Erfahrungen zusammengetragen und  Michael Begerow-Fischer, den Initiator und Leiter der Wallfahrt,  mit großem Dank in seinen Alltag entlassen.

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unser letztes Bild vor dem Südportal

Zehn Tage „pelerinage de la paix“,
zehn Tage bewegt sein von der Suche nach Frieden:

  • sei es in Gedanken während des Radfahrens oder morgens, wenn noch alles still ist,
  • unterwegs in den geschichtlichen Zeugnissen des Krieges und der Versöhnung,
  • im Gebet,
  • in den Begegnungen mit unseren französischen Gastgebern oder mit Leuten auf der Straße,
  • im Staunen über die Schätze der Natur und der menschlichen Kunst,
  • in unseren Gesprächen,
  •  im Lachen, im Streiten, im Schwitzen, im Weinen, im Genießen, im Singen

Es war eine Wallfahrt, die uns alle im doppelten Sinne bewegt hat.

Angela
Angela ; unsere bloggerin

Einerseits haben uns die täglichen gemeinsamen Zeiten mit dem Fahrrad viel Freude ins Herz gelegt, die bis heute trägt. Diese Leichtigkeit unterwegs, sie war sicherlich auch das nötige Gegengewicht zu der Schwere unseres Themas.

Andererseits haben wir in unserem gemeinsamen Nachdenken, Sprechen, Weinen und Beten für den Frieden gespürt, wie kostbar und zerbrechlich der Friede unter uns Menschen und zwischen den Völkern ist. Die Sehnsucht nach Frieden gewann für uns alle eine viel größere persönliche Bedeutung als zuvor. Es war unsere gewachsene Gemeinschaft, in der wir als Christen unterwegs waren, die Jeden und Jede ermutigte, im Alltag diesem bewegenden Geist Christi zu vertrauen. Denn wir durften als Wallfahrer erleben, dass unser gemeinsamer Weg ein realer und ein geistlicher war, der uns auf eine ganz besondere Art miteinander verbunden hat.
Eine Pilgerreise für den Frieden, sie hat uns gestärkt – als ganzen Menschen – d.h. tief in der Seele und zugleich leibhaftig!

Unsere Wallfahrt von Verdun nach Chartres war von einem sehr weiten Bogen bestimmt, der die extremen Seiten des Menschen überspannte.

DSC00506Vom Ort des Grauen des Ersten Weltkriegs radelten wir zu dem Ort, der uns den reichen Schatz unseres Mensch-Seins vor Augen führte. Wie die vielen Glasfenster der Kathedrale füllten die unterschiedlichen Etappen unserer Pilgerreise diesen Bogen.

Die Gastfreundschaft von M. Willemin aus Verdun, der uns das zerstörte Dorf seiner Großmutter zeigte, unser Gesang in der Kirche von L´Epeni, Reims als Kathedrale der Versöhnung, tiefe Betroffenheit in unseren Gesprächsrunden, die Champagne mit ihren Köstlichkeiten, die Ordensgemeinschaft von Jouarre, die uns kostenlos beherbergten als Zeichen ihrer Solidarität mit unsere Wallfahrt, wie wir in Paris „einzogen“ und gemeinsam den Arc de Triomphe umradelten,
der Blick auf Chartres, wo Erde und Himmel sich berühren.

Jede und jeden aus unserer Gruppe hat etwas anderes bewegt:

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Michael, unser Pfad-Finder, im Gespräch mit M.Willemin

Rückblickend haben mich unter anderen besonders die Momente berührt, in der wir eine anerkennende Resonanz von Gastgebern und Passanten für unsere Tour erhalten haben. Außerdem fand ich unsere Gruppe in der Zusammensetzung sehr segensreich und ich finde, wir haben den Frieden untereinander gesucht und gelebt – und keinen billigen, sondern einen erarbeiteten. Das wird mir immer dankbar in Erinnerung bleiben.

 

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Jutta, unsere Königin des Picknicks
Erinnerung

Rückblickend auf unsere Friedenswallfahrt ist die Erinnerung für mich der wesentlichste Aspekt neben dem des Teilens und Mitteilens.Nur im Gemeinsamen – wobei auch jeder Raum für sich hatte – ist unser Anliegen gelungen.Mit dem Abstand von 100 Jahren waren wir befreit von der Frage, wer Schuld auf sich geladen hat und wer nicht, und konnten deshalb auch mit unserem Gastgeberland Frankreich und den dort heute lebenden Franzosen in einen gleichberechtigten Dialog treten.Verdun war für mich am dichtesten, weil sowohl der Ort als auch unser Herbergsvater Erinnerung und gemeinsames Erleben von Sinnlosigkeit, Zerstörung, Gewalt und Elend von Kriegen und die Notwendigkeit von Völkerverständigung, also friedlichem Miteinander, Frieden völlig unaufgeregt ermöglicht haben.Erinnern wurde so zum Vergegenwärtigen, Teilhaben und damit zur Verpflichtung sich auch weiterhin um eine gerechtere und friedlichere Welt zu bemühen, gerade angesichts der sich z. Zt. nach vorne drängenden Egoismen.

 

                                           Berührt und bewegt                                                              
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Dorothea, unsere Meisterin des ansteckenden Lachen

Pedaltritt für Pedaltritt in Berührung gekommen mit dem Weg, mit Orten des Krieges (Verdun u.a.) und des Friedens (Reims und Chartres), der Landschaft, mit Menschen des Landes und in unserer Gruppe.

Berührt davon: Friede ist möglich geworden über alle Wirrnisse der Geschichte hinweg. Eine enorme Integrationsleistung zeigen christliche Kultur und Staat.

All dies klingt nach!

Und bewegt mich: zum Einsatz für den Frieden heute im Klein-Klein des Alltags,  in Europa und in der Kirche. „Möge die göttliche, heilende Kraft durch uns (persönlich, unser Land, Europa, die Welt!!!)fließen …. Wir danken dafür, dass dies geschieht!“

 

 

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Michael, unser Vizepräsident

Hallo ihr Lieben,

Resümee, merke ich, ist noch nicht dran. Zusammenfassen, bewerten, abschließen und der nächste TOP ist nicht meine aktuelle Befindlichkeit. Ich spüre, wie immer neue Splitter der Erinnerung und von Eindrücken in mir hochsteigen. Ein wenig bin ich immer noch dem Alltag entrückt (ja, ich habe diese Woche gearbeitet!), zu stark wirken die Bilder in mir: Das vom Wald überwachsene, im Krieg zerstörte Dorf nahe Verdun, die Kirche von Reims mit ihren herrlichen Fenstern, die Landschaften, der Regen, wir alle mitten in und dann durch Paris, die Kathedrale von Chartres und immer wieder wir alle miteinander darin auf dem Fahrrad und in den Tross – Autos. Und immer Begegnungen mit Menschen, in den Quartieren, an Orten der Rast und des Schauens und immer wir miteinander als Gruppe und in Sequenzen von Gespräch, Gebet, Lachen, Weinen, Essen und Trinken. Teilhabe.

In allem ein Gefühl von Frieden, eine Ahnung von SHALOM, eine Sehnsucht. Doch der Friede will getan, gelebt werden und nicht nur – mehr oder weniger gut und nachhaltig – diplomatisch ausgehandelt werden. Vielleicht ein kleines Resümee dieser Reise. Die Chansonette Barbara hat in einem Lied im Jahr 1964 getextet: „Was ich nun sage, das klingt freilich für manche Leute unverzeihlich:
Die Kinder sind genau die gleichen in Paris, wie in Göttingen. Laßt diese Zeit nie wiederkehren und nie mehr Haß die Welt zerstören: Es wohnen Menschen, die ich liebe, in Göttingen, in Göttingen. Doch sollten wieder Waffen sprechen, es würde mir das Herz zerbrechen! Wer weiß, was dann noch übrig bliebe von Göttingen, von Göttingen.
“ Ihre Saat ist aufgegangen und die vieler Menschen, diesseits und jenseits des Rheins. Ich trage ihren Satz tief im Herzen, während unserer Fahrt und mehr und mehr. Dankbarkeit.

Eine gute Zeit und ein besonderer Dank an Michael, der jüngere und Angela für die tolle Vorbereitung und Reiseleitung!

Horst als Fotograph
Horst, unser Fotograph
Den Horizont weiten

„In meiner Arbeitswelt als Ingenieur kommt der Glaube an Jesus gar nicht vor.Da war es gut sich mit Gleichgesinnten auf Weg zu machen und zehn Tage miteinander darüber nachzudenken, was es für unser Leben bedeutet, Christ zu sein. Mich hat die Form dieser Friedenswallfahrt mit dem Fahrrad sehr begeistert .“

 

 

 

 

Es waren Wege der Extreme und des Wechselspiels:
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Christoph, unser Mann für die Herausforderungen

Verdun mit seinen erschreckenden Erfahrungen des Krieges, die Begegnungen mit vielen freundlichen Franzosen sei es unterwegs oder als Gastgeber, die wunderschönen Landschaften und das quirlige Paris und zum Schlusspunkt die Kathedrale, die Himmel und Erde verbindet.

 

Jürgen
Jürgen, unser Künstler des Wortes

Ich leihe mit Worte von Hanns Dieter Hüsch, der mit seinem feinsinnigen Humor unserem Thema Krieg und Frieden eine einzigartige Nuance gibt

Wenn die Krieger kommen

Lock sie aufs Dach der Taube
Lock sie ins Nest der Schwalbe
Lock sie in die Höhle der Löwin
Lock sie in den Wald der Rehe…..
……dass sie sich verlaufen im Knüppelholz deiner Tugenden,
dass sie sich verirren im Labyrinth deiner Freundlichkeit….
Dein Gewehr sei die Klugheit
Deine Kraft sei die Geduld
Deine Geschichte sei die Liebe
Dein Sieg sei dein Schweigen
So dass sich die Landpfleger sehr verwundern

 

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Stefan, dem kein Weg zu weit war
Dankbarkeit

„Ich bin sehr dankbar für diese zehn Pilgertage. War es doch noch bis zum Start der Wallfahrt fraglich, ob ich mich aus meinen beruflichen Verpflichtungen loseisen konnte. Doch diese Zeit mit ihren vielen Begegnungen hat mir viel geschenkt und Raum gegeben. Dank an alle.“

Hans-Steffen, unser Mann der heilsamen Gesten

    Das Schild am Gepäckträger wirkt immer noch

Ich schreibe mal, wie es so gerade ist….
Ich bin auch heute am 24. 6.in der Klinik in Köln mit Rufbereitschaft.Und so bin in den vergangenen Tagen nur wenig zur Besinnung kommen; manchmal fand ich mich erschöpft vor einem Fußballspiel wieder: mit einem Glas Rotwein und gutem Käse (Rochefort Edelpilz). Nicht nur damit habe ich mich Euch und den gemeinsamen Tagen, Touren, Erlebnissen sehr verbunden gefühlt: mit sehr viel Dankbarkeit und Glück. Das summte und klang zwischendurch immer wieder ins Bewusste hinein. Die Begleitung von Monsieur Willemin durch Verdun, der Lächelnde Engel von Reims, das kraftvolle und zugleich achtsame „Bereiten“ und Begehen des Labyrinths in Chartres, das Entdecken und Erlauschen der Kathedralen, das gemeinsame Stärken, Feiern, Beten, Lachen mit Euch -all das und mehr ist mir sehr nah, gibt so etwas wie zarte beschwingte Leichtigkeit im Schweren, auch zum Weitererzählen.
Das ist noch kein Resümee/Résumé, aber spürbare Gabe/Mitgift aus diesen Tagen. Das geht noch weiter 🙂

Euch und euren Lieben wünsche ich einen schönen Sonntag!
Und hoffe, es geht Euch gut!
Hans-Steffen

PS.: Fahrradfahren geht zurzeit besonders leicht und das Schild am Gepäckträger „wirkt“ noch immer.

 

Möge uns auf all unseren Wegen der Engel der Versöhnung  zum Frieden ermutigen !
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Der Engel von Reims
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